Bethel Gemeinde Berlin Friedrichshain
 
Startseite      Über uns      Termine      Gruppen      Impuls      Kontakt      Links      Impressum      
4_Impuls

Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; denn von ihm kommt meine Hoffnung.
Psalm 62, 2


„Was ist noch zu erledigen?“ Ein Mitarbeiter auf einer Jugendfreizeit kam ständig mit diesem Satz. Es ist ja wunderschön, wenn sich die Mitarbeiter nicht verstecken, wenn man sie nicht erst zur Mitarbeit überreden muss, sondern wenn sie so von sich aus nach Arbeit fragen.

„Und, was ist noch zu erledigen?“ Als ich diesen vorbildlichen Mitarbeiter beruhigen wollte, weil ja schon alles getan sei, zog er ärgerlich los. Hatte er nun den Eindruck, dass er nicht gebraucht würde? Doch das war wohl nicht sein Problem. Er hatte die große Sorge, es könnte trotz aller Vorbereitung dennoch etwas schief gehen, oder einfach nur nicht ausreichend gut gelingen. Diese bohrende Angst war ihm nicht zu nehmen. So langsam sah ich meinen eifrigen Mitarbeiter aus einem anderen Blickwinkel. Ich war nicht mehr dankbar, sondern eher besorgt. Nur um meinen Mitarbeiter? Kenne ich diese bange Frage nicht auch?

„Was ist noch zu erledigen?“ Eigentlich ist immer noch etwas zu erledigen. Die Arbeit hört nie auf. Nicht nur in meinem Beruf gibt es kein Plansoll. Ich habe immer diejenigen mit einer fest umrissenen Arbeitsnorm beneidet. Sie wissen irgendwann, dass sie mit gutem Gewissen das Tagwerk beenden können. Alles erledigt.

Nicht nur die Arbeit scheint unaufhörlich. Es gibt so viel Tätigkeiten, in denen erreicht man anscheinend Garnichts. Wie viele Menschen engagieren sich in Bereichen, in denen es so gut wie keine Erfolgserlebnisse gibt. Schon immer bewundere ich diejenigen, die sich um suchtkranke Menschen kümmern. Aber auch jene nötigen mir Respekt ab, die aufopferungsvoll Angehörige oder Fremde pflegen. Und all das geschieht mit sehr hohem Einsatz, ohne dass je eine Besserung zu sehen wäre.

Wie viel wurde schon von Menschen getan, ohne dass es anscheinend etwas gebracht hätte. Denken wir nur an Mutter Theresa: Konnte sie die Not in Kalkutta wirklich lindern? Oder ist die soziale Frage tatsächlich gelöst? Wird die Schere zwischen Arm und Reich nicht doch immer größer. Ist die Welt nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes gerechter geworden? War es überhaupt möglich die negativen Auswirkungen der Globalisierung auch nur ein wenig abzumildern?

So häufig gibt es mehr Gründe zur Resignation, als zu frohem Optimismus – oder eben der Aktionismus. Im Großen aber auch im Kleinen ist dies so. Die Nöte um uns herum, die Sorge, so wenig zu erreichen, die Angst zu versagen, die Ansprüche, die andere an uns haben: all das kann zu einem gnadenlosen Antreiber werden, zu einer Quelle eines permanent schlechten Gewissens.

Doch stimmen unsere Maßstäbe tatsächlich? Was oder besser wer entscheidet denn, ob ein Ziel erreicht ist? Wer sagt mir denn, ob ich mein Bestes gegeben habe? Wer weiß denn überhaupt, was mein Bestes ist?

Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe, denn von Ihm kommt meine Hoffnung. Nicht Leitfertigkeit, sondern die Gelassenheit, die von Gott kommt, wünsche ich jedem, der noch etwas zu erledigen hat.

Manfred Frank